Interview mit Adventure Coach Natascha
„Vom Gipfelglück, oder: Die Freiheit, über sich selbst hinauszuwachsen Jagdhof Adventure Coach Natascha im Interview“
Im Jagdhof wartet das Abenteuer nicht erst am Berg. Es beginnt schon beim Blick auf die Tourenkarte, beim ersten Gespräch an der Rezeption und manchmal sogar noch am Frühstückstisch. Adventure Coach Natascha begleitet die Gäste dorthin, wo der Vinschgau wild, überraschend und besonders schön ist. Im Interview erzählt die promovierte Biochemikerin, passionierte Mountainbikerin und bekennende Outdoor-Enthusiastin, wie sie Menschen für die Berge begeistert, warum Motivation wichtiger ist als Leistungsdruck – und weshalb zwei verkaterte junge Männer eine Gipfeljause beinahe wie eine Aktentasche durch die Berge trugen.
Wer bist du und was macht ein Adventure Coach eigentlich?
Ich bin Natascha, 57 Jahre alt und ein echter Outdoor-Junkie. Draußen und vor allem in den Bergen unterwegs zu sein, ist meine große Leidenschaft. Beruflich begann mein Weg als promovierte Biochemikerin in Düsseldorf. Viele Jahre war ich in der Forschung und Entwicklung der Pharmaindustrie tätig. Diese Arbeit hat mich mit interessanten Menschen an unzählige spannende Orte auf der ganzen Welt geführt. Parallel dazu hat mich der Mountainbike-Sport immer stärker in seinen Bann gezogen. Seit mehr als 20 Jahren starte ich bei Mountainbike-Rennen – vom Marathon über Cross-Country bis hin zu Enduro. Seit mittlerweile 14 Jahren fahre ich für das Team r2-bike.com.
Im November 2025 habe ich mir schließlich einen lang gehegten Traum erfüllt und bin dauerhaft in den wunderschönen Vinschgau gezogen. Heute darf ich genau das tun, was mich jeden Tag aufs Neue begeistert: Als Adventure Coach in Piris Jagdhof bringe ich Menschen die Schönheit dieser einzigartigen Bergwelt näher und schaffe gemeinsam mit ihnen unvergessliche Erlebnisse. Beim Wandern, Mountainbiken, Klettern, Bogenschießen oder Rafting, möchte ich unseren Gästen Abenteuer bieten, die über eine gewöhnliche Tour hinausgehen. Momente, die überraschen, begeistern und in Erinnerung bleiben. Bei der Planung stelle ich mir deshalb immer die Frage: Wäre ich auf dieser Tour selbst gerne Gast?
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Ich bin bekennende Nicht-Frühstückerin – aber ohne meinen Latte macchiato beginnt auch bei mir kein Tag. Während ich gemütlich den Kaffee genieße, wandert mein Blick über die Adventure-Gästeliste. Und ehe ich mich versehe, liegen Wanderkarten und Tourenbücher auf dem Tisch und die Planung für das nächste Abenteuer beginnt. Dabei verliere ich regelmäßig jedes Zeitgefühl. Dann folgt der Blick auf die Uhr: Oh nein! Time flies when you are having fun … Also schnell aufs Mountainbike und mit Schubraketenantrieb zum Jagdhof. Dort komme ich bereits mit ordentlich Puls an und freue mich auf die Menschen, die an diesem Tag gemeinsam mit mir die Berge entdecken werden. Meist fahren wir zunächst mit dem Hotelbus zum Ausgangspunkt der Tour.
Sobald wir den ersten Schritt auf den Wanderweg setzen, den ersten Trail rocken oder den ersten Karabiner am Klettersteig einhängen, beginnt für mich der schönste Teil des Tages. Natürlich gehört auch eine gemütliche Einkehr auf einer Berghütte oder eine Gipfeljause dazu. Erst dadurch wird das Erlebnis so richtig rund. Unterwegs entstehen ganz spontan viele Fotos – echte Momentaufnahmen unvergesslicher Augenblicke. Später teile ich sie mit den Gästen in unserer WhatsApp-Gruppe „Piris Adventurers“. Oft haben die Bilder Familie und Freunde zu Hause bereits erreicht, bevor wir im Jagdhof gemeinsam bei der Nachmittagsjause sitzen und den Tag Revue passieren lassen.
Genau diese Momente machen meinen Beruf für mich so besonders: wenn aus Fremden Freunde werden, aus einer Tour eine Erinnerung fürs Leben entsteht und die Gäste am Ende des Tages sagen: „Das hätten wir allein niemals erlebt.“
Was begeistert dich an deinem Beruf?
Meine Begeisterung hat viele Facetten. Das Naheliegendste ist natürlich, dass ich den ganzen Tag gemeinsam mit Menschen in der Natur verbringen darf, die meine Leidenschaft für die Berge teilen. Ich habe außerdem das große Glück, dass die Menschen, mit denen ich „arbeite“, Urlaub haben und entsprechend entspannt sind. „Arbeiten“ setze ich bewusst in Anführungszeichen: Wenn man beruflich genau das tut, wofür man brennt, muss man eigentlich nie mehr arbeiten.
Gemeinsam mit meiner zweiten großen Leidenschaft – einem ausgeprägten Sinn für Blödsinn – verspricht das jede Menge Spaß auf unseren Touren.
Ganz besonders liebe ich den Moment, in dem wir einen Gipfel oder einen Aussichtspunkt erreichen. Wenn Gäste über sich hinausgewachsen sind, weil sie sich trotz der Anstrengung wohl und gut aufgehoben gefühlt haben. Und wenn beim Anblick des Gipfelpanoramas die Gespräche plötzlich verstummen, weil Worte überflüssig werden. Der Blick schweift in die Ferne, die Seele atmet tief durch – und das Herz füllt sich bis zum Rand mit Glück und Stolz.
Warum hat der Jagdhof diese Position geschaffen?
Mit einem Bein noch am Frühstückstisch, mit dem anderen bereits mitten im Abenteuer: Unsere Gäste sollen maßgeschneiderte Outdoor-Erlebnisse genießen können, ohne sich um die Logistik kümmern zu müssen. Mit einem eigenen Adventure Coach gibt es keine Mindestteilnehmerzahl.
Sämtliche Events finden auch für eine einzelne Person statt. So wird aus einer geplanten Mountainbike-Tour manchmal ein individuelles Fahrtechniktraining – oder etwas vollkommen anderes. Ist nur ein Gast angemeldet, hat er die freie Auswahl und darf sich seine Wunschtour aussuchen.
Auch die Fahrt zu den Treffpunkten externer Veranstalter entfällt. Wir treffen uns direkt an der Rezeption und fahren von dort mit dem Hotelbus weiter. Mehr Komfort geht kaum. Ich kann individuell auf jeden Gast eingehen und habe es mit ein wenig Fingerspitzengefühl bisher immer geschafft, auch Touren mit unterschiedlichen Leistungsniveaus so zu gestalten, dass sich alle gut aufgehoben fühlten und zufrieden ins Hotel zurückkehrten. Hinzu kommt der soziale Aspekt. Da ich im Laufe der Woche die unterschiedlichsten Touren begleite, haben die Gäste eine feste Ansprechpartnerin. Sie können mich vor dem nächsten Abenteuer fragen: „Schaffe ich das?“ Und sie müssen sich nicht jeden Tag auf einen neuen Guide einstellen.
Last, but not least: Weil sämtliche Teilnehmer aus dem Jagdhof kommen, ist der „Heldentalk“ an der Bar beinahe vorprogrammiert. Bei manchen Gästen ist aus der gemeinsamen Teilnahme an einem Adventure sogar eine Freundschaft entstanden, die weit über die Urlaubstage hinaus fortbesteht.
Was unterscheidet das Angebot von einem klassischen Aktivprogramm?
Bei unserem Adventure-Programm geht es nicht darum, eine Stunde lang irgendwie beschäftigt zu werden. Es geht darum, ein echtes Abenteuer zu erleben. Meine Touren sind keine gewöhnlichen Spaziergänge. Sie führen zu Orten, die man ohne entsprechende Ortskenntnisse vielleicht nicht allein besuchen würde, die man sich möglicherweise nicht zutraut – oder an deren schönsten Stellen man ohne Begleitung schlicht vorbeigehen würde.
Ich selbst liebe extreme Abenteuer. Ich habe die Alpen bereits 25-mal auf selbst organisierten Touren mit dem Mountainbike überquert, einen Zehnkampf in der Arktis bestritten, achttägige Rennen in den Alpen und in Kanada gerockt, bin den rund 900 Kilometer langen Jakobsweg gegangen und habe noch vieles mehr erlebt.
Dieses Gefühl, etwas Großartiges geschafft zu haben, möchte ich unseren Gästen vermitteln. Ich möchte ihnen dabei helfen, über sich selbst hinauszuwachsen. Ein endgültiges „Ich kann nicht mehr“ hat es bei meinen Touren bisher noch nicht gegeben – dafür umso mehr Stolz und Zufriedenheit über die eigene Leistungsfähigkeit.
Gibt es ein Abenteuer, das jeder einmal ausprobiert haben sollte?
Für mich gehört das Bezwingen eines Klettersteigs zu den ganz besonderen Abenteuern. Der Klettersteig im Zieltal verbindet einen moderaten Steig, der mit ein wenig Vorübung – beispielsweise am nahe gelegenen Poppele-Knott – gut zu bewältigen ist, mit einem grandiosen Panorama, einem schönen Zustieg und einer urigen Einkehr in der Nassereithütte.
Darüber hinaus bietet der Klettersteig mehrere Ausstiegsmöglichkeiten, falls er sich doch als zu anspruchsvoll erweisen sollte. Auch die reine Kletterzeit ist mit ungefähr zwei Stunden moderat. Deshalb eignet sich dieses Erlebnis sehr gut für Einsteiger.
Ist das Programm für jeden geeignet?
Grundsätzlich gebe ich bei jeder Tour die Länge, die Höhenmeter und den Schwierigkeitsgrad an. Im persönlichen Gespräch finden wir gemeinsam heraus, ob das jeweilige Adventure geeignet ist. Eine Tagestour mit 1.000 Höhenmetern und 15 Kilometern würde ich beispielsweise niemandem empfehlen, dessen bisher längste Wanderung aus vier flachen Kilometern rund um den Baggersee bestand.
Damit unser Programm tatsächlich für jeden etwas bietet, gibt es neben mir noch unseren Lieblingsrentner Wolfi als zweiten Adventure Coach im Jagdhof. Er führt jeweils montags, mittwochs und freitags leichtere Wanderungen durch. An diesen Tagen kann ich ambitioniertere Touren planen.
Die Antwort lautet deshalb ganz klar: Ja, unser Programm ist für jeden geeignet. Entscheidend ist nur, das passende Abenteuer auszuwählen.
Wo genießt du deine Lieblingsaussicht?
Wenn wir von Gipfeln sprechen, ist es die Aussicht vom Tarscher Joch über den gesamten Vinschgau. Wenn wir von Almen sprechen, fällt meine Wahl auf einen ganz besonderen Moment: Von der Marzoner Alm führt der Wanderweg Nr. 18 zur Zirmtalalm. Kurz vor dem Ziel überquert man eine Kuppe – und plötzlich liegt sie vor einem: die winzig kleine Zirmtalalm, idyllisch an einem See gelegen.
Das ist „Ein Mann in den Bergen“- und „Heidi“-Gefühl zugleich. Hüttenwirt Max könnte locker den Alm-Öhi spielen. Haare auf den Zähnen hat er ebenfalls – dort ist es immer lustig.
Gibt es einen Ort, an dem die Gäste regelmäßig staunen?
Ja, den Plimawasserfall am Talschluss des Martelltals. Er ist Teil der Plimaschlucht, die vom Schmelzwasser des Cevedale geformt wurde. Der Wasserfall ist gewaltig, sein Rauschen beinahe ohrenbetäubend.
Das Wasser scheint ganz oben aus dem Berg zu entspringen. Darüber ist kein Schnee mehr zu sehen, auch kein höherer Gipfel – und trotzdem bleibt dieser enorme Wasserfluss ungebrochen. Wenn man sich vorstellt, wie viele Hektoliter pro Sekunde die Felswand hinunterstürzen, fragt man sich unweigerlich, wo all diese Wassermassen herkommen. Und man wünscht sich, man hätte im Erdkundeunterricht etwas besser aufgepasst. Sehr beeindruckend!
Hast du eine lustige oder besonders emotionale Geschichte für uns?
Und ob! Zwei junge Männer Mitte zwanzig waren bereits mehrere Tage mit mir unterwegs gewesen – sowohl zu Fuß als auch mit dem Mountainbike. Für die beiden galt: je extremer, desto besser. Für ihren letzten Urlaubstag hatte ich deshalb eine besonders anspruchsvolle Wanderung über die Göflaner Scharte geplant. Außerdem hatte ich ihnen eine Gipfeljause versprochen, für die ich eigens auf der Oberkaseralm eingekauft hatte.
Am Vorabend erhielt ich eine Nachricht von den Jungs: Sie saßen noch mit unserem Juniorchef beim Kartenspielen. Am nächsten Morgen war der Start der Wanderung für 9 Uhr angesetzt. Um 8.50 Uhr begegnete mir unsere Chefin Ruth und meinte: „Das wird heute wohl nichts mit deinen Jungs. Die sind gestern an der Bar ordentlich versackt.“
Ich dachte nur: Na, das werden wir ja sehen.
Um 9 Uhr war tatsächlich keiner der beiden da. Ich bat unsere Rezeptionistin Lea, im Zimmer anzurufen. Sie weigerte sich. Also rief ich selbst an. Es wurde aufgelegt. Ich rief noch einmal an. Wieder wurde aufgelegt.
So, jetzt reichte es mir. „Zimmernummer?“, fragte ich Lea. „401“, antwortete sie.
Also hinauf in den vierten Stock, kräftig an die Tür gebollert und im besten Razzia-Tonfall gerufen: „SOFORT AUFMACHEN!“ Innerlich warf ich mich vor Lachen weg und rechnete keinesfalls damit, dass die Tür tatsächlich geöffnet würde.
Doch oh Wunder: Nach einigem Geraschel ging sie auf. Vor mir stand ein völlig verkaterter junger Mann, lediglich mit einer Bettdecke bekleidet. Der Boden des Zimmers war übersät mit Spielkarten und Kleidungsstücken. Er raunte mir nur ein ungläubiges „Echt jetzt?“ entgegen.
Ich antwortete: „ECHT JETZT! Meint ihr, ich besorge eine Jause, damit ihr mit dem Hintern im Bett liegen bleibt? Wer feiern kann, kann auch wandern! Ihr habt jetzt zehn Minuten. Dann sehen wir uns unten an der Rezeption. Während ihr euch anzieht, schmiere ich euch ein Brötchen – und danach geht es los.“
Um 9.15 Uhr meinte Lea: „Na, das war wohl nichts. Keiner da.“ Also ging ich noch einmal nach oben. Doch die Jungs hatten sich tatsächlich aus dem Bett geschält. An diesem Morgen dauerte einfach alles ein wenig länger. Ich durfte unter anderem miterleben, wie unglaublich langsam ein Mensch einen einzelnen Socken anziehen kann.
Dann ging es mit zwei Schnapsleichen in Richtung Göflaner Scharte. Die Pappschachtel mit der Jause trugen die beiden während der gesamten Mammutwanderung wie eine Aktentasche unter dem Arm. Ans Essen war zunächst nicht zu denken. Auf der Göflaner Alm, nach zehn Kilometern, 700 Höhenmetern und einigen Mitleidsattacken meinerseits, passte immerhin eine halbe klare Suppe in die beiden hinein – bevor sie am Tisch einschliefen.
Am Ende des Tages bedankten sie sich dafür, dass ich so streng gewesen war. Ohne meinen Weckdienst hätten sie garantiert bis zum Nachmittag ihren Rausch ausgeschlafen und dafür eine wunderbare Wanderung verpasst.
Warum eignet sich der Vinschgau so gut für Outdoor-Abenteuer?
Der Vinschgau zählt mit rund 315 Sonnentagen im Jahr zu den wetterbeständigsten Regionen im Alpenraum. Selbst im Winter bleiben die Südhänge häufig schneefrei, sodass man bei milden Temperaturen wandern und Mountainbike fahren kann.
Die Landschaft bietet hohe Gipfel oberhalb der Baumgrenze, aber ebenso Waalwege, Wälder, Täler und Schluchten. Zwischen etwa 400 Metern Meereshöhe und dem 3.905 Meter hohen Ortler ist nahezu alles möglich, was das Outdoor-Herz höherschlagen lässt: wandern, laufen, biken, klettern und Bogenschießen, im Winter außerdem langlaufen, Skitouren gehen und Ski fahren.
Selbst Wassersport ist am nahe gelegenen Reschensee möglich. Die Möglichkeiten, sich in der Natur zu bewegen, sind hier nahezu unerschöpflich. Außerdem gibt es bei den Abenteuern vergleichsweise wenige Einschränkungen – in anderen Regionen sieht das häufig ganz anders aus.
Und was macht Piris Jagdhof für dich so besonders?
Das lässt sich ganz einfach beantworten: Der Jagdhof vereint das Unterhaltungsangebot eines Robinson Clubs, die Kulinarik eines Sternerestaurants und ein unvergleichliches Ambiente mit der Herzlichkeit, Flexibilität und gelebten, ehrlichen Gastfreundschaft einer kleinen Familienpension.
Genau darin liegt seine besondere Stärke. Nach einem Tag auf dem Trail, am Fels oder hoch oben am Gipfel führt der Weg zurück in den Sky Spa, zur Nachmittagsjause und schließlich zu einem genussvollen Abendessen. Abenteuer und Erholung sind hier keine Gegensätze, sondern zwei Seiten desselben Urlaubstages.
Um am Schloss noch ein kleiner Tipp: Unvergessliche Wanderungen, Abenteuer und Genuss finden Sie auch in unserem Partnerhotel Lindenhof Pure Luxury & Spa DolceVita Resort in Naturns in Südtirol.
arrow_backZurück zur Übersicht
